Montag, 26. Dezember 2016

Rezension: Winterflüstern

Autor: Tanja Voosen
Verlag: Carlsen (impress)
Preis: 3,99€
Buchlänge: 356 Seiten


Auch wenn Kasie mit Nachnamen Clark heißt und gerne Nerd-Brillen trägt, ist sie von einem Dasein als Supergirl noch meilenweit entfernt. Stattdessen hilft sie Menschen auf eine andere Weise: Sie sammelt Lebensgeschichten und bietet im Gegenzug ihren Rat an. Dabei bräuchte sie eigentlich selbst einen, als sie plötzlich in eine neue Stadt ziehen und bei der Familie ihrer Cousinen Lucy und Taylor wohnen muss. Schon bei ihrer Ankunft dort wird ihr die tragischste Lebensgeschichte ihrer Sammlung erzählt – von Constantin, dem seltsam anziehenden Jungen, der am Bahnhof sitzt und auf einen Zug wartet, den er nicht bezahlen kann. Aber auch guter Rat ist teuer…

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Winterflüstern ist der dritte Teil einer Reihe, angefangen mit Sommerflüstern und gefolgt Herbstflüstern. Die Bände können jedoch unabhängig voneinander gelesen werden, ws ich persönlich sehr toll finde, da dies der erste Band der Reihe ist, denn ich gelesen habe. Aber mir war schon nach einigen seiten klar, dass ich die zwei vorherigen Bände auf jeden Fall noch lesen möchte. 

Die Geschichte rund um Kasie finde ich sehr gut aufgebaut. Ich habe einen guten Einstieg in die Geschichte gefunden und sie hat sich langsam aufgebaut. Kasie war mir von Anfang an sehr sympathisch, aber auch den anderen Charakteren konnte ich schnell etwas abgewinnen. Tylor und Lucy haben noch ihre ganz eigene Geschichte, die in Sommer- bzw. Herbstflüstern erzählt wird.

Kasie ist ein Mädchen, dass sich viel zu viele Gedanken über alles und jeden macht, aber vor allem über ihre eigene Situation. Von der Mutter zu ihren Verwandten geschickt, der Vater leidet unter Gedächtnisverlust. Alles nicht so einfach, aber immerhin wird sie bei ihren Verwandten herzlich aufgenommen und neue Freunde sind auch nicht fern. Jemma ist aufgeweckt und redet sehr viel, aber man merkt schnell, dass sie eine richtig gute Freundin ist.
Man kann es glauben nehmen, wie man will. Aber Jemma und Kasie brauchen beide neue Freunde und ich kann nicht sagen, ob es tatsächlich Jemma war, die zur rechten Zeit am rechten Ort war, nur weil Kasie die "Neue" an der Schule ist. Denn beide helfen der anderen im Buch das ein oder andere mal zu erkennen und zu verstehen. 

Und dann gibt es auch noch Constantin Bash. Am Anfang wusste ich nicht, wie ich ihn einschätzen soll, aber dass hat sich dann doch relativ schnell geklärt. Wenn zwei Personen sich auf jeden Fall treffen sollten, dann sind es Kasie und Constantin. Zwei Nerds, aber auf eine coole Weise. Und damit komme ich gleich zum nächsten Punkt, den ich an dieser Geschichte liebe:
Die Anspielungen und Erwähnungen berühmter Filme, Serien, Spiele. Ich bin selbst ein großer Fan von vielem, was im Buh auf die ein oder andere Art erwähnt wurde. 
Aber auch Nebenfiguren kamen nicht zu kurz. Tylor, Lucy, Archie,... Ich hoffe diese Figuren in den anderen Bänden der Reihe noch besser kennen zu lernen. 
Die Beziehung zwischen Kasie und Constantin entwickelt sich erst langsam, aber stetig. Es ist keine von Kitsch überladene Liebesgeschichte.  So wie die zwei Charaktere sich kennen lernen, lernt auch der Leser sie kennen. Dadurch wirkt es auch weder unrealistisch, noch überladen.  


Aber es geht schließlich nicht nur um Kasie, Constantin und Jemma in dieser Geschichte. 
Ein ganz großes Thema ist der Begriff Neuanfang. Kasie hat mit der Amnesie ihres Vaters zu kämpfen, aber was ihr dabei etwas hilft ist das Tagebuch, dass er früher mit Geschichten von Menschen gefüllt hat und was sie nun weiterführt. Und während sie darin liest und es bei sich hat, stößt sie auf eine Geschichte ihres Vaters, von der sie noch nie zuvor gehört oder gelesen hat. Es geht um ein altes Ehepaar mit dem ihr Vater befreundet war, um eine Taschenuhr und einen Streit, der eine Familie auseinander gerissen hat. Kasie möchte wissen, was es damit auf sich hat und darauf wird sich in einem Großteil des Buches konzentriert. Ich habe mit Freuden verfolgt, wie die drei Freunde dahintergekommen sind und dabei auch etwas für sich selber und ihr Leben gelernt haben. 

"Manchmal reicht es, wenn eine Person etwas Besonderes in einem sieht [...] Eine Person reicht aus, um dein Leben zu verändern, vielleicht sogar, um die Welt zu verändern."

Dieses Zitat aus dem Buch finde ich besonders schön. Wollen wir nicht alle so eine besondere Person? Ob die Charaktere dieses Buchs so eine Person gefunden haben, müsst ihr jedoch selbst herausfinden. 

"Winterflüstern" ist das zweite Buch, welches ich von Tanja Voosen lesen. Der Schreibstil ist immer noch genauso toll, wie er es bei "Kein Kuss wie dieser" war und auch das Cover finde ich sehr schön, auch wenn der winterliche Aspekt zu mir erst im hinteren Teil des Buches durchdrang. 

Alles in allem ist "Winterflüstern" ein sehr schönes Buch mit viel Gefühl und perfekt für die kalten Wintertage geeignet. Mir wurde so manches mal warm ums Herz, aber genauso oft hat sich ein Schmunzeln auf meine Lippen geschlichen. Ich kann es jedem empfehlen, der für ein paar Stunden seinem Alltag entfliehen möchte.

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