Montag, 27. Februar 2017

Rezension: Ein bisschen wie Unendlichkeit


Autor: Harriet Reuter Hapgood
Verlag: Fischer KJB
Preis: 16,99€ [Hardcover]; 14,9€ [Ebook]
Buchlänge: 384 Seiten

»So ist es, wenn man jemanden liebt.
So ist es, wenn man um jemanden trauert.
Ein bisschen wie Unendlichkeit.«


Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Erst einmal: Ist das Cover nicht ein Traum? Ich habe mich augenblicklich in es verliebt. Es trifft genau meinen Geschmack und hat mir noch einmal extra Lust darauf gemacht das Buch zu lesen. Das Motiv, die Farben und die Schrift mit dem integrierten Unendlichkeitszeichen - einfach wunderschön.

Gleich auf den ersten paar Seiten des Buches, hab ich gemerkt, dass dieses Buch anders ist. Aber gut anders. Angefangen mit Gotties Namen, aber auch mit ihrer Familie. Eine Gottie hab ich in all den Büchern, die ich gelesen habe, noch nie kennengelernt. Physikbegeistert (passt super zu mir), öfters mal mit den Gedanken woanders und seit dem Tod ihres Großvaters sehr in sich zurückgezogen. Und dann beginnen auch noch diese komischen Wurmlöcher und Filmrisse aufzutauchen. Von ihren Sprüngen in die Vergangenheit ganz zu schweigen! Ich wäre auch sehr verwirrt gewesen an ihrer Stelle. Gottie verbringt ihren Sommer damit herauszufinden, was es damit auf sich hat. Und das ist gar nicht so einfach.
Und dann taucht auch noch Thomas auf. Ihr ehemaliger bester Freund, der mit 12 nach Kanada gezogen ist. Ich mag ihn. Er bäckt, mag Marvel und will sich Gottie nach all den Jahren ohne Kontakt wieder annähern. Doch auch er verbirgt etwas, ein Geheimnis, dass er Gottie vorenthält.
Für Gottie könnte alles so schön sein. Wäre da nicht noch Jason, mit dem sie den letzten Sommer intensiv erlebt hat.
Meine absoluten Lieblingscharaktere sind aber ihr großer Bruder Ned und ihr verstorbener Großvater Grey. Beide sind sehr eigensinnig. Ned mit seinen Klamotten und seiner Fingerbänd. Und Grey von seinem ganzen Verhalten her. Eine ziemlich bunte Mischung also, wie ich sie noch in meinem anderen Buch erlebt habe.

Mich hat das Buch und seine Geschichte von Anfang an fasziniert. Die Charaktere, der Schreibstil und natürlich was es mir Gotties Reisen in die Vergangenheit auf sich hat. Das Universum scheint verrückt zu spielen diesen Sommer. Ich habe tatsächlich etwas in meinem Physikbuch nachgeschlagen! Das ist mir bei keiner anderen Geschichte zuvor passiert. Die Thematik mit Raum, Zeit, Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Zukunft finde ich schon sehr lange interessant. Umso erfreuter war ich, dass sie in diesem Buch so intensiv damit beschäftigt wurde.
Aber ich muss auch sagen, bei all meinem Lob, dass es stellenweise sehr verwirrend war. Es waren schließlich nicht nur Sprünge in die Vergangenheit, sondern auch der Wechsel zwischen verschiedenen Zeitachsen. Und das wirkte für mich manchmal zu gedrängt und ohne richtige Erklärung. An einigen Stellen hab ich die Seiten zwar gelesen, aber das Gefühl gehabt, nicht wirklich zu verstehen, was dort gerade passierte.

Die Gefühle, die Gottie empfindet, aber auch die von anderen Charakteren, kamen jedoch sehr gut bei mir an. Gotties tiefe Gefühle für ihren Großvater beispielsweise. Man merkt, dass sie ihn sehr geliebt hat und sich damit schwertut, damit abzuschließen.

Beenden konnte ich das Buch mit einem guten, befriedigendem Gefühl im Bauch. Vielleicht sind einige Fragen noch offen, aber das stört mich bei diesem Buch irgendwie überhaupt nicht. Es hat sich richtig angefühlt und das ist mir sehr wichtig.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen mit seinem tollen Schreibstil, wobei einige Stellen etwas verwirrend waren. Dennoch eins meiner Lesehighlights diesen Monat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen