Samstag, 2. September 2017

Rezension: Das Glück der handgemachten Dinge



Autor: Marina Boos
Herausgeber/Verlag: Knaur
Preis: 12,99€
Buchlange: 336 Seiten

Haben Sie’s schon mal getan? Etwas selbst gemacht? Dann wissen Sie ja, wie wunderbar sich das anfühlt. Auch Jule, die Heldin aus Marina Boos' erstem Kreativ-Roman "Jules Welt" kennt es gut, das Glück der handgemachten Dinge.

Drei Monate vor ihrem 31. Geburtstag ist die Weltenbummlerin Jule auf der Suche nach den drei Großbuchstaben des Lebens: HLL – Heimat, Liebe, Lebensaufgabe. Um das alles zu finden, zieht sie in das Heimatdorf ihrer Großmutter und übernimmt eine geschlossene Schankwirtschaft. Jule möchte daraus etwas ganz Besonderes machen: ein gemütliches Kreativ-Café. Hier sollen sich alle, die ihrer kreativen Seite mehr Raum geben möchten, treffen und austauschen können. Denn seit sie denken kann, bastelt und backt Jule für ihr Leben gern. Und so hängt sie kleine Anleitungen ins Fenster, Tipps, Rezepte und Ideen rund ums Handarbeiten, Basteln, Kochen und den Garten. Aber nicht alle Dorfbewohner sind von Jules Plänen begeistert …

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„Das Glück der handgemachten Dinge“ ist eine Geschichte über einen Neuanfang. Einen Neuanfang, der es in sich hat. Neue Nachbarn. Neues Heim. Aber nicht alles ist neu. Viele der in dem Dorf lebenden Menschen, stammen aus alt eingesessenen Familien, die es gar nicht gerne sehen, dass ihre geliebte Linde, einst der Treffpunkt des Dorfes, nun verschandelt werden soll. Sie glaube, dass Jule das nächste Starbucks eröffnen möchte und gehen dagegen vor. Manche auf eine Weise, die auch die Dorfbewohner nicht gutheißen. Aber Jule lässt sich davon nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie glaubt an ihre Ideen und Vorstellungen, und daran, dass man mit den eigenen Händen und einer guten Priese Ideenreichtum alles schaffen kann.

Jule ist eine tolle Protagonistin, die ihr Leben umkrempelt und endlich selbst in die Hand nimmt. Obgleich sie sich eine schwierige Aufgabe ausgesucht hat, habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, dass sie sie bewältigen würde.
Neben Jule lernt man aber auch noch allerlei weitere Charaktere kennen. Von ihren lieben Verwandten, der durch seine Aussagen einige Fragezeichen in meinem Kopf platziert hat, über die alten Dorffrauen und ihrem Handarbeitskurs bis hin zu Mika, der am Anfang alles andere als ein Fan von Jule ist, und einem Unbekannten, der Jule das Leben sogar noch schwerer macht und sie tagtäglich spüren lässt, dass er/sie nicht damit einverstanden ist, was Jule aus der Linde machen will. 
Eine sehr ausgewogene Vielfalt, die den Leser bei Laune hält und mit ganz eigenen Charakterzügen aufwartet. Natürlich findet Jule auch ein paar neue Freunde, die manchmal unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das Cover finde ich sehr schön gestaltet, es passt einfach perfekt zum Buch und zum Thema DIY und handgemachte Dinge. Die hellen Farben sind gut gewählt und lassen auf ein Buch mit guter Laune schließen.
Der Schreibstiel ist leicht und sehr gut verständlich. Ich hatte überhaupt keine Probleme damit ins Buch zu finden und als ich dann einmal begonnen hatte, wollte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen.
Zudem hält es einige tolle Ideen zum selber machen bereit, die ich mir in Zukunft bestimmt noch einmal genauer Ansehen werde. Denn alles Selbstgemachte und die Anleitungen dafür sind im Anschluss an die Geschichte hinten im Buch aufgeführt. Etwas, dass es ganz sicher von anderen Büchern unterscheidet.

Negativ aufgefallen ist mir wirklich nicht viel an diesem Buch, beinahe gar nichts. Aber ich bemängle, was ich bei solch kurzen Büchern immer bemängle, wenn sie mir sehr gut gefallen und ich m liebsten immer und immer weiterlesen möchte: zu kurz. Ich hätte gut und gerne noch zweihundert Seiten dazu lesen können, wie Jule die Linde wieder auf Vordermann bringt und nebenbei die Dorfbewohner kennenlernt. Aber ansonsten gibt es nichts, dass ich an diesem Buch verbessern würde wollen. Und zum Glück gibt es ja Fortsetzungen.
Eins vielleicht noch, aber das ist nicht wirklich negativ. Überall im Buch, nach einem Kapitel, findet man Seiten, auf denen man seine ganz eigenen Ideen zu selbstgemachten Dingen aufschreiben kann. Ich finde die Idee an sich nicht schlecht, aber mir würde es in der Seele wehtun, wenn ich in ein Buch schreiben würde, dass doch so schön ist. Vom Inhalt, aber auch vom Äußeren. Ich würde es also lieber als schöne Zwischenseite belassen, anstatt das Buch mit der eigenen Schrift zu besudeln. Aber das ist auch bloß meine Meinung, ein anderer ist vielleicht so begeistert davon, dass auch an den Leser gedacht wurde, dass er der Aufforderung mit Freuden nachkommt.

Insgesamt ein schöner Auftakt zu einer Geschichte, die so einige Herausforderungen für unsere Protagonistin bereit hält, die mich von Anfang an für sich eingenommen hat. 

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